Calí

Wir verabschieden uns vom schönen Salento und fahren weiter Richtung Calí. Nach zwei Tagen erreichen wir Buga, wo wir im BugaHostel in einem riesigen Zimmer unterkommen. Das letzte Zimmer hätte zwei mal darin Platz! Der Betreiber, ein Deutscher, besitzt ausserdem noch eine Microbierbrauerei namens The Holy Water Ale. Wir beschliessen einen Tag Pause zu machen, um die Brauerei zu besuchen. Die ist wirklich sehr klein und befindet sich im Innenhof seines Hauses. Das Equipment sieht aber sehr professionell aus und ist ausgerüstet mit allen nötigen Messinstrumenten, da es bei Bier sehr wichtg ist, dass es auf das Grad und die Minute genau erhitzt wird! Wir dürfen sogar eine neue Sorte probieren, die noch nicht im Verkauf ist. Andy fühlt sich beim Probieren sichtlich wohl. Ich finde den Prozess einfach interessant, mit dem Bier kann ich aber noch immer nicht viel anfangen! ;)

Nachmittags fahren wir ohne Gepäck noch etwas aus der Stadt raus in einen nahe gelegenen Naturpark mit Lagune. Leider finden wir den Weg zur Lagune nicht, da er nicht schön ausgeschildert ist. Wir beschliessen nach einigen Kilometern umzudrehen da uns die Mücken auch zu fressen beginnen. Die Landschaft ist aber sehr schön und wir sehen sogar zwei Papageien ganz nah. Daneben ist es schön wieder einmal einen Tag auf dem Land zu verbringen, ohne dauernde Motorengeräusche. Ich hätte gut Lust nur noch auf kleinen Strassen zu fahren, allerdings wäre das für Luzia noch sehr demotivierend. Viel Arbeit für wenig weg. Also trainieren wir eben noch eine Weile auf grossen Strassen, die Glücklicherweise fast immer einen breiten Seitenstreifen für Langsamverkehr besitzen.

Calí

Wir nehmen die letzten Kilometer nach Calí in Angriff. Die Fahrt führt uns durch eine Landschaft voll von Zuckerrohr so weit das Auge reicht. Wir sehen auch einige Roadtrains, die das geerntete Zuckerrohr abtransportieren. Die letzten 10km durch Calí sind wieder mal zermürbend. Ich mag es nicht, durch grosse Städte zu fahren, da man oft am Ende eines Fahrtages ankommt, wenn man schon müde ist. So muss man sich immer doppelt und dreifach auf den Verkehr konzentrieren, was sehr anstrengend ist. Allerdings ist Calí verkehrsmässig die am besten organisierte Stadt in Kolumbien, die wir gesehen haben. Die Motorräder werden dazu angehalten nicht „Zick-Zack“ zu fahren, sondern auf der rechten Spur zu bleiben, was sogar meist eingehalten wird. Und der Verkehr allgemein wird flüssig durch die Stadt geleitet, es gab kaum Staus!

Endlich im Hostel Encuentro angekommen, werden wir herzlich willkommen geheissen von Ana-Beatrice. Sie und Adolfo, ihr Mann, sind die Besitzer und betreiben das Hostel seit einem Jahr. Es ist sehr gemütlich eingerichtet und hat sogar ein Sofa!!! Das leckere Frühstück bereitet Ana selber zu und sie scheint es sehr gerne zu machen.

Wir sortieren hier Dinge aus, die wir nicht mehr brauchen und Ana nimmt sie mit Freuden entgegen für arme Leute, denen sie manchmal hilft! Ausserdem stellen wir ein Paket nach Hause zusammen. Da wir zwei Cafféliköre mitsenden wollen, die wir in Salento auf der Cafefarm gekauft haben, können wir das Paket nicht mit „Servientrega“, einer Kolumbianischen Postagentur versenden. Alkohol per Post versenden ist in Kolumbien verboten. So gehen wir halt zu DHL und senden ein teures Paket (trotz Prozenten) nach Hause. Leider kam dann auch nur ein Likör zu Hause an. Der wurde an der Grenze in Kolumbien aus dem Paket gestohlen. :(

Ausserdem kaufe ich mir einen neuen Sattel. Mein alter Brooks aus Leder macht mir Probleme. Je nach dem wie ich ihn eingestellt habe drückt es am Steissbein (Metallbügel) oder im Schritt. So macht es keinen Spass zu fahren. Meinen neuen Sattel kann ich gleich am nächsten Tag testen, da wir per Bike aus der Stadt raus an den Rio Pance fahren. Das ist ein Naherholungsgebiet von Calí und wunderschön. Wir konnten sogar einen Falken in unserer Nähe beim Trinken beobachten. Der Sattel hat den Test soweit bestanden, allerdings wird sich mein Po an einigen Stellen wohl wieder an den neuen Sattel gewöhnen müssen.

Ciao Colombia

Am 24.Mai ist es dann soweit: Wir verabschieden uns von Ana und Adolfo und fahren per Bus von Calí nach Ipiales, an die Grenze zu Ecuador. Wir haben uns für den Bus entschieden, weil wir schon 4 Monate in Kolumbien verweilen und der Weg zu Grenze noch etwa 500km beträgt. Ausserdem haben wir in einigen Berichten aus der Vergangenheit gehört, dass die Strecke nicht so sicher ist und wir das Risiko nicht eingehen wollten. Allerdings meinte die Polizei, dass es kein Problem mehr sei auf der Hauptroute und die Hauptgefahr wohl eher vom Verkehr ausgeht an den engen Stellen in den Bergen!

In Ipiales angekommen muss ich im Hotel erst mal heiß duschen und mich warm anziehen, bevor wir essen gehen können. In Calí waren es etwa 35°C und wir konnten in der Nacht ohne Decke schlafen. Hier in Ipiales auf 3000m.ü.M. ist es nachts 6°C, tagsüber etwa 15°C. Gut hat das Hotel gute warme Bettwäsche ;) Aufgrund der Höhe (etwa 2000m höher als Calí) legen wir einen Aklimatisationstag ein und besuchen die Kathedrale „Las Lajas“ einige Kilometer von Ipiales entfernt. Die Kathedrale wurde wegen einer Marienerscheinung in diese Schlucht gebaut.

Am Abend verabschieden wir uns langsam mental von Kolumbien. Es waren sehr schöne 4 Monate, in denen wir viel über Land und Leute erfahren durften! Kolumbien wir kommen wieder!!!